{"id":23338,"date":"2025-11-17T14:17:00","date_gmt":"2025-11-17T13:17:00","guid":{"rendered":"https:\/\/nachhaltiger24.ch\/?p=23338"},"modified":"2025-11-16T20:18:26","modified_gmt":"2025-11-16T19:18:26","slug":"jungparteien-draengen-auf-demokratiereform-senkung-des-stimmrechtsalters-und-neue-modelle-gegen-die-dominanz-aelterer-waehler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nachhaltiger24.ch\/fr\/jungparteien-draengen-auf-demokratiereform-senkung-des-stimmrechtsalters-und-neue-modelle-gegen-die-dominanz-aelterer-waehler\/","title":{"rendered":"Jungparteien dr\u00e4ngen auf Demokratiereform: Senkung des Stimmrechtsalters und neue Modelle gegen die Dominanz \u00e4lterer W\u00e4hler"},"content":{"rendered":"<h2>Einleitung<\/h2>\n<p>In der Schweiz w\u00e4chst die Debatte \u00fcber die Ungleichgewichte in der Demokratie. Die Stimme der \u00fcber 65-J\u00e4hrigen hat bei Abstimmungen ein deutlich gr\u00f6sseres Gewicht als jene der unter 30-J\u00e4hrigen. Dies liegt nicht nur an der zahlenm\u00e4ssigen \u00dcberlegenheit der Babyboomer-Generation, sondern auch daran, dass \u00e4ltere Menschen doppelt so oft an die Urne gehen. Aktuelle Statistiken des Bundesamts f\u00fcr Statistik (BFS) zeigen, dass die Beteiligung an nationalen Abstimmungen bei den \u00fcber 65-J\u00e4hrigen bei rund 60 Prozent liegt, w\u00e4hrend sie bei den 18- bis 29-J\u00e4hrigen oft unter 30 Prozent betr\u00e4gt. Diese Schieflage f\u00fchrt dazu, dass Entscheidungen \u00fcber zukunftsweisende Themen wie Klimaschutz, Altersvorsorge oder Digitalisierung stark von den Interessen \u00e4lterer Generationen gepr\u00e4gt sind.<\/p>\n<p>Vor Kurzem hat die Politologin Rahel Freiburghaus mit radikalen Vorschl\u00e4gen f\u00fcr Aufsehen gesorgt: Sie schlug vor, das Stimmrecht ab einem bestimmten Alter zu streichen oder junge Stimmen st\u00e4rker zu gewichten. Diese Ideen stiessen jedoch bei den Jungparteien auf breite Ablehnung. Stattdessen pr\u00e4sentieren die jungen Politikerinnen und Politiker eigene L\u00f6sungsans\u00e4tze, um die politische Teilhabe junger Menschen zu st\u00e4rken. Basierend auf aktuellen Berichten und Forderungen der Jungparteien, wie sie in Medien wie 20 Minuten oder der Neuen Z\u00fcrcher Zeitung (NZZ) diskutiert werden, werfen wir einen Blick auf diese Vorschl\u00e4ge. Erg\u00e4nzt werden diese durch aktuelle Entwicklungen, etwa in Kantonen wie Luzern oder Glarus, wo das Stimmrechtsalter bereits gesenkt wurde oder Abstimmungen bevorstehen.<\/p>\n<h2>Das Problem der demografischen Schieflage<\/h2>\n<p>Die Schweizer Demokratie steht vor einer Herausforderung: Die Alterung der Bev\u00f6lkerung f\u00fchrt zu einer \u00dcberrepr\u00e4sentation \u00e4lterer Stimmen. Laut BFS macht die Gruppe der \u00fcber 65-J\u00e4hrigen etwa 19 Prozent der Bev\u00f6lkerung aus, ihre Stimmen wirken jedoch durch h\u00f6here Beteiligung noch einflussreicher. Junge Menschen, insbesondere die Generation Z, f\u00fchlen sich abgeh\u00e4ngt. Themen wie steigende Mietpreise, psychische Gesundheit oder der Klimawandel betreffen sie direkt, doch ihre Perspektive findet oft wenig Geh\u00f6r.<\/p>\n<p>Eine Untersuchung des Dachverbands Schweizer Jugendparlamente (DSJ) aus dem Jahr 2024 unterstreicht dies: Junge Menschen engagieren sich in Vereinen und Jungparteien, \u00fcbernehmen Verantwortung im Berufsleben und treffen wichtige Entscheidungen, wie den Einstieg in eine Lehre oder Ausbildung. Dennoch fehlt es an politischer Mitsprache. Die DSJ argumentiert, dass eine Senkung des Stimmrechtsalters auf 16 Jahre die L\u00fccke zwischen schulischer politischer Bildung und tats\u00e4chlicher Teilhabe schliessen k\u00f6nnte. Internationale Beispiele, wie in \u00d6sterreich oder Schottland, wo Jugendliche ab 16 w\u00e4hlen d\u00fcrfen, zeigen positive Effekte auf die Beteiligung.<\/p>\n<p>In der Schweiz ist der Kanton Glarus Vorreiter: Seit 2007 gilt dort das Stimmrecht ab 16 Jahren. Eine Analyse von LUSTAT Statistik Luzern aus 2025 zeigt, dass in Glarus die Jugendbeteiligung gestiegen ist, ohne dass dies zu extremen Verschiebungen in den Abstimmungsresultaten gef\u00fchrt h\u00e4tte. Andere Kantone folgen: Im Februar 2025 stimmte der Kanton Luzern \u00fcber eine Initiative zur Senkung auf 16 Jahre ab, die jedoch abgelehnt wurde. Dennoch unterst\u00fctzen mehrere Jungparteien in Luzern, darunter SP, Gr\u00fcne und GLP, solche Vorhaben weiterhin.<\/p>\n<h2>Forderungen der Jungen Mitte: Das Familienstimmrecht<\/h2>\n<p>Die Junge Mitte schl\u00e4gt ein innovatives Modell vor: das Familienstimmrecht. Benedikt Schmid, Pr\u00e4sident der Partei, argumentiert, dass junge Menschen sich durch globale Krisen \u00fcberfordert f\u00fchlen und daher seltener abstimmen. Sein Vorschlag sieht vor, dass Eltern pro Kind eine zus\u00e4tzliche Stimme erhalten. Dies w\u00fcrde politische Diskussionen am Esstisch f\u00f6rdern und die Perspektive der Jugend in die Entscheidungsfindung einbringen.<\/p>\n<p>Schmid betont, dass bei knappen Abstimmungen \u2013 wie j\u00fcngst bei der E-ID-Vorlage \u2013 die junge Generation den Ausschlag geben k\u00f6nnte. Sie bringe frische Ideen zu Themen wie Digitalisierung ein, die f\u00fcr \u00c4ltere oft neu sind. Aktuelle Berichte aus 20 Minuten vom November 2025 unterstreichen, dass solche Modelle in Diskussionen mit anderen Jungparteien aufkommen, um die Dominanz der Senioren zu brechen, ohne Rechte zu beschneiden.<\/p>\n<p>Pro Senectute, die Organisation f\u00fcr \u00e4ltere Menschen, reagiert offen auf solche Ideen. Sie betont, dass politisches Engagement junger Menschen wichtiger sei als Altersgrenzen, lehnt jedoch Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr \u00c4ltere ab. Das Familienstimmrecht k\u00f6nnte hier ein Kompromiss sein, da es die Rechte aller Generationen respektiert.<\/p>\n<h2>Juso und Junge Gr\u00fcne: Senkung des Stimmrechtsalters auf 16 oder sogar 14<\/h2>\n<p>Die Juso geht einen Schritt weiter und fordert nicht nur die Senkung des Stimmrechtsalters auf 16 Jahre, sondern auch die Ausweitung auf Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder, die im Schnitt j\u00fcnger sind. Pr\u00e4sidentin Mirjam Hostetmann kritisiert, dass junge Menschen in Themen wie Klimaschutz oder Mietpreisen abgeh\u00e4ngt werden. Sie ist \u00fcberzeugt, dass mehr Mitsprache die Beteiligung steigern w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Jungen Gr\u00fcnen fordern sogar eine Senkung auf 14 Jahre. Co-Pr\u00e4sidentin Magdalena Erni argumentiert, dass Jugendliche stark von heutigen Entscheidungen betroffen sind, aber unterrepr\u00e4sentiert bleiben. Erg\u00e4nzend pl\u00e4dieren sie f\u00fcr Investitionen in politische Bildung an Schulen, die zum Mitmachen anregt. UNICEF Schweiz unterst\u00fctzt solche Forderungen seit 2023 und sieht in der Senkung auf 16 eine Chance f\u00fcr die Demokratie.<\/p>\n<p>Aktuelle Entwicklungen in Kantonen wie Appenzell Ausserrhoden zeigen Kontroversen: Dort lehnten Jungparteien wie die Junge SVP und JFDP die Senkung ab, w\u00e4hrend andere sie bef\u00fcrworten. Eine parlamentarische Initiative im Nationalrat aus 2023 diskutiert die bundesweite Senkung, doch Fortschritte sind langsam.<\/p>\n<h2>Junge GLP und Jungfreisinnige: Bildung und Solidarit\u00e4t<\/h2>\n<p>Loa Wild von der Jungen GLP hebt hervor, dass Abstimmungen \u00fcber die AHV die Jungen direkt betreffen, doch \u00c4ltere Reformen blockieren. Sie fordert die Senkung auf 16 Jahre und F\u00f6rderung von Jugendparlamenten. Jonas L\u00fcthy von den Jungfreisinnigen sieht das Problem in der schwindenden Solidarit\u00e4t der \u00c4lteren. Er pl\u00e4diert f\u00fcr Kampagnen, die junge Menschen mobilisieren, wie Rechner zu Abstimmungen.<\/p>\n<p>Beide Parteien betonen politische Bildung als Schl\u00fcssel. Berichte aus swissinfo.ch zur Jugendsession 2025 zeigen, dass Jugendliche Forderungen zu Bildung und Teilhabe stellen, was die Relevanz unterstreicht.<\/p>\n<h2>Junge SVP: Mobilisierung statt k\u00fcnstlicher Korrekturen<\/h2>\n<p>Nils Fiechter von der Jungen SVP sieht die niedrige Beteiligung als normal an und warnt vor k\u00fcnstlichen Korrekturen. Stattdessen mobilisiert seine Partei durch direkte Aufkl\u00e4rung. Er verweist auf knappe Abstimmungen wie die E-ID, wo jede Stimme z\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Auf Plattformen wie X (ehemals Twitter) wird das Thema kontrovers diskutiert: Einige Nutzer kritisieren die Senkung als Versuch, linke Stimmen zu gewinnen, andere loben sie als Fortschritt. Posts aus 2025 zeigen, dass die Debatte lebendig ist, mit Bezug auf vergangene Abstimmungen.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Die Forderungen der Jungparteien zielen auf eine inklusivere Demokratie ab, ohne die Rechte \u00c4lterer zu beschneiden. Ob Familienstimmrecht, Senkung des Alters oder bessere Bildung \u2013 alle Ans\u00e4tze streben mehr Teilhabe an. Aktuelle Abstimmungen, wie in Luzern 2025, zeigen, dass Ver\u00e4nderungen m\u00f6glich, aber umstritten sind. Glarus als Vorbild deutet auf positive Effekte hin. Letztlich h\u00e4ngt der Erfolg von der Mobilisierung ab: Nur wenn junge Menschen ihre Stimme nutzen, kann die Schieflage korrigiert werden. Die Debatte unterstreicht die Notwendigkeit, Demokratie dynamisch zu gestalten, um alle Generationen einzubinden. Mit anhaltenden Diskussionen im Bund und in Kantonen k\u00f6nnte 2025 ein Wendepunkt werden.<\/p>\n<p>(Quellen: 20 Minuten, BFS, DSJ, UNICEF, LUSTAT, swissinfo.ch, NZZ; Wortanzahl: 1245)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung In der Schweiz w\u00e4chst die Debatte \u00fcber die Ungleichgewichte in der Demokratie. Die Stimme der \u00fcber 65-J\u00e4hrigen hat bei Abstimmungen ein deutlich gr\u00f6sseres Gewicht als jene der unter 30-J\u00e4hrigen. Dies liegt nicht nur an der zahlenm\u00e4ssigen \u00dcberlegenheit der Babyboomer-Generation, sondern auch daran, dass \u00e4ltere Menschen doppelt so oft an die Urne gehen. 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