{"id":21048,"date":"2025-10-23T08:53:05","date_gmt":"2025-10-23T06:53:05","guid":{"rendered":"https:\/\/nachhaltiger24.ch\/?p=21048"},"modified":"2025-10-23T08:53:19","modified_gmt":"2025-10-23T06:53:19","slug":"erbschaftssteuer-als-loesung-fuer-die-ahv-finanzierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nachhaltiger24.ch\/it\/erbschaftssteuer-als-loesung-fuer-die-ahv-finanzierung\/","title":{"rendered":"Erbschaftssteuer als L\u00f6sung f\u00fcr die AHV-Finanzierung?"},"content":{"rendered":"<p>In der aktuellen Diskussion um die Finanzierung der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) wird zunehmend die M\u00f6glichkeit einer moderaten Erbschaftssteuer als L\u00f6sungsansatz betrachtet. Wirtschaftsprofessor Marius Br\u00fclhart von der Universit\u00e4t <a href=\"https:\/\/nachhaltiger24.ch\/it\/zulassungsgebuehren-fuer-eu-studierende-in-der-schweiz-finanzielle-herausforderungen-fuer-hochschulen\/\">Lausanne<\/a>, der seit \u00fcber zwanzig Jahren zu diesem Thema forscht, hat im Auftrag des Bundesrates ein Gutachten zur umstrittenen Juso-Initiative erstellt. Diese sieht einen Steuersatz von 50 Prozent auf Erbschaften \u00fcber 50 Millionen Franken vor, ein Vorschlag, den Br\u00fclhart als \u00fcbertrieben ablehnt. Dennoch spricht er sich f\u00fcr eine Besteuerung von Erbschaften aus, um die AHV zu entlasten.<\/p>\n<h2>Die Juso-Initiative und ihre Herausforderungen<\/h2>\n<p>Die Juso-Initiative fordert eine drastische Erh\u00f6hung der Erbschaftssteuer, die jedoch nur einen engen Personenkreis betreffen w\u00fcrde. Laut Br\u00fclhart w\u00fcrde der hohe Freibetrag von 50 Millionen Franken dazu f\u00fchren, dass haupts\u00e4chlich sehr verm\u00f6gende Personen, die oft auf der Liste der reichsten Menschen der <a href=\"https:\/\/nachhaltiger24.ch\/it\/die-sichersten-laender-in-krisenzeiten-schweiz-auf-platz-1\/\">Schweiz<\/a> stehen, betroffen w\u00e4ren. Ein wesentlicher Kritikpunkt an der Initiative ist der hohe Steuersatz, der eine Abwanderung von Verm\u00f6genden ins Ausland zur Folge haben k\u00f6nnte. Die Forschung zeigt, dass h\u00f6here Steuers\u00e4tze oft dazu f\u00fchren, dass Reiche ihren Wohnsitz verlagern, um Steuern zu vermeiden.<\/p>\n<h2>Vergangenheit und Gegenwart<\/h2>\n<p>Br\u00fclhart verweist auf historische Beispiele: In den 1990er- und 2000er-Jahren haben viele Kantone die Erbschaftssteuer f\u00fcr direkte Nachkommen abgeschafft, was zu einer Abwanderung von Verm\u00f6genden f\u00fchrte. Seine Sch\u00e4tzungen basieren auf diesen Beobachtungen und den Erfahrungen aus den USA, wo \u00e4hnliche Erbschaftssteuermodelle existieren. Er warnte, dass sich die finanziellen Einbussen f\u00fcr die Kantone durch massiven Steuerverzicht nicht bew\u00e4hrt haben.<\/p>\n<h2>Erbschaften in der heutigen Gesellschaft<\/h2>\n<p>Die Bedeutung von Erbschaften hat in den letzten Jahrzehnten erheblich zugenommen. Br\u00fclhart hebt hervor, dass Schenkungen und Erbschaften voraussichtlich die 100-Milliarden-Marke in der Schweiz \u00fcberschreiten werden. Dies steht im Kontrast zu den gesamten Auszahlungen der AHV. Er argumentiert, dass die Frage, ob man erbt oder nicht, an der Relevanz gewonnen hat, insbesondere bei der Finanzierung von Immobilien. Dies unterstreicht die Dringlichkeit, die bestehende Erbschaftssteuer neu zu bewerten.<\/p>\n<h2>Die Argumente f\u00fcr eine moderate Erbschaftsteuer<\/h2>\n<p>Br\u00fclhart bef\u00fcrwortet eine moderate Erbschaftsteuer, die es erm\u00f6glichen w\u00fcrde, einen Teil der 13. AHV zu finanzieren, ohne die L\u00f6hne zus\u00e4tzlich zu belasten oder den Konsum \u00fcber die Mehrwertsteuer zu verteuern. Er argumentiert, dass eine solche Steuer wirtschaftlich gerechtfertigt sei, da sie nicht den Leistungswillen bestraft, sondern im Gegenteil, die Anreize zum Arbeiten erh\u00f6ht. Beispielsweise w\u00e4re jemand weniger geneigt, fr\u00fchzeitig in Pension zu gehen, wenn er weniger erbt.<\/p>\n<h2>Steuersatz und soziale Gerechtigkeit<\/h2>\n<p>Br\u00fclhart schl\u00e4gt vor, einen Steuersatz von zehn Prozent auf Nachl\u00e4sse \u00fcber f\u00fcnf Millionen Franken einzuf\u00fchren, um auf ein historisches Niveau zur\u00fcckzukehren. Dies w\u00fcrde nicht nur zur Finanzierung der AHV beitragen, sondern auch der Bev\u00f6lkerung einen gewissen Gerechtigkeitsfaktor bieten. Viele Menschen empfinden es als fair, dass verm\u00f6gende Erben anteilsm\u00e4ssig mehr zu den staatlichen Finanzen beitragen, als es bei weniger Beg\u00fcnstigten der Fall ist.<\/p>\n<h2>Die Gefahr der Ungleichheit<\/h2>\n<p>Ein weiteres zentrales Thema in Br\u00fclharts Argumentation ist die zunehmende Ungleichheit in der Gesellschaft. W\u00e4hrend die Einkommensverteilung in der Schweiz im europ\u00e4ischen Durchschnitt liegt, klafft bei den Verm\u00f6gen eine immer gr\u00f6ssere Schere. Br\u00fclhart \u00e4ussert Bedenken, dass eine kleine Elite durch ihren Reichtum politisch Einfluss gewinnen k\u00f6nnte, was bereits in anderen L\u00e4ndern, wie den USA, beobachtet werden kann. Durch die direkte Demokratie hat die Schweiz jedoch gewisse Schutzmechanismen, um solche Entwicklungen zu verhindern.<\/p>\n<h2>Fazit: Ein notwendiges Umdenken<\/h2>\n<p>Marius Br\u00fclhart pl\u00e4diert f\u00fcr ein Umdenken in der Erbschaftssteuerpolitik. Eine moderate Besteuerung k\u00f6nnte nicht nur zur finanziellen Entlastung der AHV beitragen, sondern auch soziale Gerechtigkeit f\u00f6rdern und die Abwanderung von Verm\u00f6genden ins Ausland verhindern. Es ist an der Zeit, dass die politische Debatte \u00fcber Erbschaftssteuern verst\u00e4rkt gef\u00fchrt wird, um zukunftsf\u00e4hige L\u00f6sungen f\u00fcr die finanziellen Herausforderungen der Schweiz zu finden.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der aktuellen Diskussion um die Finanzierung der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) wird zunehmend die M\u00f6glichkeit einer moderaten Erbschaftssteuer als L\u00f6sungsansatz betrachtet. 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