Zwei deutsche Gerichtsverfahren rücken die Sicherheit steckerfertiger Solarspeicher in den Fokus. Für Anlagen in der Schweiz gelten andere Vorgaben. Entscheidend ist hier unter anderem, dass ein steckerfertiges System höchstens 600 Watt Wechselstromleistung pro Zählerkreis abgeben darf.
Nach einem Bericht von pv magazine Deutschland vom 18. September 2026 dürfen bestimmte Plug-in-Speicher in Deutschland nicht mehr in der bisherigen Form vertrieben beziehungsweise als Lösung «ohne Elektriker» beworben werden. Das klagende Unternehmen Indielux teilte mit, dass ein Vertriebsverbot bereits rechtskräftig sei. Im Mittelpunkt der Verfahren steht die Frage, ob die Geräte die angeschlossenen Stromleitungen ausreichend vor Überlastung schützen.
Die Urteile betreffen bestimmte Produkte und deren Vertrieb in Deutschland. Sie sind weder ein generelles Verbot von Balkonkraftwerk-Speichern noch ein Urteil über Anlagen, die in der Schweiz verkauft werden.
Weshalb die Stromleitung eine Rolle spielt
Speist eine Solaranlage Strom über eine Steckdose in einen bestehenden Stromkreis ein, kann dieser Strom zusätzlich zum Strom aus dem Netz fliessen. Unter ungünstigen Bedingungen wird dadurch ein Abschnitt der Hausinstallation stärker belastet, als es die Absicherung allein erkennen lässt. Ob ein konkretes System sicher betrieben werden kann, hängt deshalb nicht nur von der Batteriekapazität ab. Auch die Einspeiseleistung, die Schutzfunktionen und die vorhandene Elektroinstallation sind wichtig.
Die im deutschen Verfahren genannten Leistungsgrenzen und VDE-Anforderungen lassen sich nicht eins zu eins auf die Schweiz übertragen. Gleiches gilt für die von Indielux veröffentlichten Berechnungen zu möglichen Leitungstemperaturen: Sie beschreiben bestimmte angenommene Bedingungen und belegen kein allgemeines Brandrisiko für jeden Solarspeicher.
Was gilt in der Schweiz?
Gemäss der Information von EnergieSchweiz zu Plug&Play-Photovoltaikanlagen darf die AC-Ausgangsleistung einer steckerfertigen Anlage 600 Watt pro Teilnehmeranschluss beziehungsweise Zählerkreis zu keinem Zeitpunkt überschreiten. Die Konformitätserklärung muss sich auf das ganze Set beziehen und dessen Komponenten und Dimensionierung abdecken. Vor der Inbetriebnahme ist die Anlage dem Verteilnetzbetreiber zu melden. Leistungsstärkere Anlagen benötigen eine fachgerechte Installation und können nicht einfach als gewöhnliches Plug&Play-Gerät an eine Haushaltssteckdose angeschlossen werden.
Wer einen Speicher ergänzt, sollte deshalb das gesamte System prüfen: Wie viel Wechselstrom kann es maximal abgeben? Kann die Leistung später durch Nutzerinnen oder Nutzer erhöht werden? Passen Speicher, Wechselrichter, Module und Anschluss zusammen? Und liegen die Unterlagen für die konkrete Zusammenstellung vor? Eine Einstellung in der App allein ist keine verlässliche Grundlage, um die Eignung eines Systems für den Schweizer Steckdosenbetrieb zu beurteilen.
Worauf Käuferinnen und Käufer achten sollten
Beim Kauf lohnt es sich, gezielt nach der maximal möglichen AC-Leistung und der Konformitätserklärung für das komplette System zu fragen. Bei einem bestehenden Balkonkraftwerk sollte eine Speichererweiterung nicht allein nach der passenden Steckverbindung ausgewählt werden. Bei Fragen zur vorhandenen Steckdose oder Elektroinstallation ist eine Elektrofachperson die richtige Anlaufstelle.
Der Schweizer Anbieter Tip-Top24 erklärt, seine für den steckerfertigen Betrieb in der Schweiz angebotenen Komplettanlagen nach den ESTI-Vorgaben zusammenzustellen. Kundinnen und Kunden sollten sich für die gewählte Kombination die zugehörige Konformitätserklärung geben lassen. Das ist besonders bei Anlagen mit Speicher wichtig, weil nicht jedes einzeln erhältliche Gerät automatisch als Teil eines steckerfertigen 600-Watt-Systems geeignet ist.
Fazit: Die deutschen Urteile gelten nicht unmittelbar in der Schweiz. Sie zeigen aber, weshalb beim Solarspeicher die Sicherheit des gesamten Anschlusses zählt. Für Schweizer Haushalte sind die dauerhaft eingehaltene 600-Watt-Grenze, passende Schutzfunktionen, die Konformitätserklärung für das vollständige Set und die Meldung beim Netzbetreiber die entscheidenden Prüfpunkte.
